Typografie & Type Design
Typografie wird oft unterschätzt, weil sie scheinbar nebenher passiert. Tatsächlich ist sie eine der wenigen Designdisziplinen, die in jedem einzelnen Touchpoint einer Marke auftaucht. Wer die Schrift falsch wählt, kämpft fünf Jahre lang gegen die eigene Stimme. Wer sie richtig wählt, bekommt einen leisen, aber unaufhaltsamen Verstärker. Wir gehen Typografie deshalb nicht als Geschmacksfrage an, sondern als Strategieentscheidung mit ästhetischer Konsequenz.
Wie eine Schriftauswahl tragfähig wird
Die Wahl zwischen einer Grotesk (Inter, Helvetica, Söhne) und einer Antiqua (Tiempos, Garamond, Marvin) entscheidet bereits über die Stimmlage der Marke. Eine Grotesk klingt klar, modern und neutral, eine Antiqua trägt Wärme, Geschichte und Autorität. Innerhalb dieser Kategorien liegen Hunderte Varianten, jede mit eigener Tonalität. Konkret heißt das: Wir testen drei bis fünf Kandidaten in den tatsächlich geplanten Anwendungen (Logo-Lockup, Headline, Fließtext, Caption, Mobile-Navigation), bevor eine Entscheidung fällt. Skizzen auf Papier reichen dafür nicht.
Nach der Auswahl folgt die Hierarchie. Wir definieren Größenstaffeln (typischerweise auf einer modularen Skala wie 1.250 oder 1.333), Zeilenabstände abhängig von der Spaltenbreite, vertikale Rhythmen und die Verteilung der Gewichte. Ein Set aus drei bis vier Schnitten reicht meist. Bei Marken mit hoher editorialer Last (Magazine, Buchgestaltung, Verlagsmarken) wächst die Palette auf fünf bis sieben Schnitte. Die Logik wird in den Brand Guidelines so dokumentiert, dass auch externe Dienstleister sie korrekt anwenden.
Custom Type, Wortmarken und Modifikationen
Nicht jede Marke braucht eine eigene Schrift. Aber für die Marken, die es tun, lohnt sich der Aufwand. Eine vollständige Custom-Typeface kostet zwischen 15.000 € und 80.000 €, dauert sechs bis zwölf Monate und schafft einen Wiedererkennungswert, der mit keiner Lizenzschrift erreichbar ist. Häufiger sind die kleineren Eingriffe: modifizierte Wortmarken (eine bestehende Schrift wird im Logo gezielt verändert), Custom-Glyphen (ein einzelnes Zeichen, z. B. ein gesperrtes G oder eine eigene Ligatur), oder ein eigener Schnitt für Headline-Anwendungen. Diese Eingriffe kosten 4.000 € bis 18.000 € und sind oft die effizienteste Investition in markenspezifische Typografie.
Wir arbeiten bei Custom-Type-Projekten mit etablierten Foundries zusammen, koordinieren die Lizenzfragen und sichern die technische Übergabe (kerning, hinting, web-fonts, variable fonts). Was wir nicht machen: Schriftauswahl nach Mood Board ohne Anwendungs-Test. Eine Schrift, die auf einer Stylescape gut aussieht und im Fließtext bricht, ist keine Lösung.
Schrift als Stimme der Marke
Die Wahl zwischen einer Grotesk und einer Antiqua entscheidet, wie ernst, warm oder technisch eine Marke klingt. Wir wählen Schriften aus, weil sie die Tonalität tragen, nicht weil sie gerade Trend sind.
Hierarchien, die im Layout funktionieren
Schrift ist erst dann nützlich, wenn sie auf einer Seite Ordnung schafft. Wir definieren Größenstaffeln, Zeilenabstände und Achsen so, dass Headlines, Fließtext und Caption ineinandergreifen.
Lizenzklarheit ohne Überraschungen
Wir kennen die wichtigen Foundries (Klim, Grilli, Pangram, Dinamo, Production Type) und klären Web-, Print- und App-Lizenzen vor dem Kauf. Keine bösen Rechnungen drei Monate später.
Custom Type, wenn die Marke es trägt
Bei Marken mit hohem Wiedererkennungsbedarf entwickeln wir Wortmarken, modifizierte Schnitte oder vollständige Custom Typefaces. Mit klarem Anlass, nicht aus Selbstzweck.
Ausgewählte Arbeiten

ANNA YUNA – Musik-Branding
Eine Bildsprache, die zwischen Neonlicht und Mondlicht oszilliert — Cover-Artwork und Bühnenauftritt für eine Musikerin.

Velvet Soul Street – Corporate Design
Streetwear-Energie in einem gestickten Wortmarken-Logo: Identity, Verpackung und Stationery für ein Label.

IKEA × AstraZeneca – Konzept
Cross-Brand-Konzept: Wie würde IKEA ein medizinisches Produkt verpacken? Ein konzeptionelles Markenexperiment.
Häufige Fragen
Eine professionelle Schriftauswahl mit Hierarchie-System und Anwendungsbeispielen liegt zwischen 2.500 € und 6.500 €. Lizenzkosten kommen separat (oft 400 € bis 3.000 € für Web- und Print-Lizenzen). Custom-Type-Projekte mit modifiziertem Schnitt starten bei 8.000 €, vollständige Custom-Typefaces je nach Glyphenanzahl ab 15.000 € aufwärts.
Nicht nach Geschmack, sondern nach Funktion. Wir prüfen Lesbarkeit in den geplanten Anwendungsgrößen (Headline, Fließtext, Mobile), Zeichenumfang (deutsche Umlaute, Sonderzeichen, ggf. mehrere Sprachen), OpenType-Features (Echte Kapitälchen, Mediävalziffern, alternative Schnitte) und Lizenzbedingungen. Erst danach folgt die ästhetische Entscheidung.
Wenn die Marke häufig in Schrift erscheint (Verlage, Modelabels, Kulturinstitutionen, Tech-Marken mit hohem Brand-Anteil) und Wiedererkennung über die Schrift selbst läuft. Bei einem klassischen B2B-Auftritt reicht meist eine sorgfältig ausgewählte Lizenzschrift, oft kombiniert mit einer eigens modifizierten Wortmarke.
Das hängt von Stil, Sprachsupport und Budget ab. Für anspruchsvolle Auftritte arbeiten wir gerne mit Klim, Grilli Type, Dinamo, Pangram Pangram und Production Type. Für budgetbewusste Projekte gibt es solide Open-Source-Alternativen wie Inter, IBM Plex oder die Schriften von Indestructible Type. Die Auswahl klären wir im Briefing.
Ja. Schriftauswahl, Lizenzklärung und Hierarchie-Entwicklung laufen vollständig remote. Custom-Type-Projekte werden mit den jeweiligen Foundries koordiniert, deutschlandweit erreichbar.
Projekt starten?
Erzähl mir kurz, worum es geht — in einem 30-minütigen Erstgespräch klären wir, ob und wie wir zusammen arbeiten.